Marceline Schmid-Berlinger
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Lyrik V
 
 
Leonidenstürme

Zu sagen wäre dann doch
zu schweigen wie gesagt
noch besser Wände wären Ohren
grossgezogene knechtisch gekrümmte
Worte sind faulig bevor sie zu Humus
Verlust ist eine andere Sache
Sehnsucht noch grösser unhaltsam
Wünsche Gier eine brennende Schlinge eben
Leben muss gelebt gesichtslos die Toten
aber Hände spähen wie Augen
Entäuschung die Töne sind falsch
Vergessene sterben still wie Tiere verletzte
ersticken Flüchtige schatten Landschaft schwarz
ohne Gewähr muss lauern ein Menschentraum kindshohe Grenzsteine
oben Horizont als Richtung gewobenes Silber
ohne Namen Gesicht verloren gefunden unten
vorwärts in Flüssen bricht Eis Worte sind haltlos lüstern und ohne Lippen
es wird gesagt auch der Frühling wird kommen Geliebte gestreift
ist dein Leib vom Schälmesser Zeit wir sitzen zu Tisch die Speise kann bitter
seit gestern liegen Schiffe vor Anker Leonidenstürme sind angesagt zum letzten
für hundert Jahr Obstgärten Apfelgärten Gärten Geliebte
Geliebter dein Lachen ist Stern und Liebe
ein anderes Meer

 
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